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7. Die Bildergalerie

Lesezeit: 14 Minuten

Julias neuer Arbeitsplatz mehr als 50 Kilometer entfernt vom Haus ihrer Eltern und somit war klar, dass sie eine eigene Wohnung brauchen würde.

Ihr neuer Chef hatte bei der Wohnungssuche geholfen und so hatte Julia eine schöne Einliegerwohnung auf einem Bauernhof, nur 5 Kilometer von der Werkstatt entfernt anmieten können. Neben der großen Wohnküche, mit direktem Zugang zu einem eigenen Stück Garten, bestand ihre Wohnung aus einem geräumigen Flur, der Platz bot für einen Kleiderschrank und ein paar Regale, einem kleinen Schlafzimmer und einem sehr einfach eingerichteten, aber großzügig dimensionierten Badezimmer. Die Heizung bestand nur aus einem alten Kachelofen aber dafür passte die Miete in ihr enges Budget.

Der Hof lag etwas Abseits des Ortes und grenzte direkt an den Wald. Den Arbeitsweg konnte sie problemlos mit dem Fahrrad zurücklegen und im Ort gab es sogar einen Bahnhof, sodass sie jederzeit in die Zivilisation zurückkehren konnte.


Für ihren Umzug durfte sie einen Transporter ihres neuen Arbeitgebers nutzen und Maria hatten angeboten ihr wenigstens beim Ausladen zu helfen. Viele Möbel hatte sie ja ohnehin nicht. Das Meiste würde sie sich selber bauen. Das hatte sie schließlich gelernt.

Nach einigen Tagen hatte sie ihre Möbel aufgebaut und ihre Habseligkeiten eingeräumt. Noch immer war die Wohnung sehr leer und es fehlte an wohnlichem Charme aber das war ihr egal. Diese Wohnung war ihr erstes eigenes Reich und sie genoss die ruhigen Abende allein zu Hause.

Nach und nach kam weiterer Hausrat hinzu, das Meiste bekam sie geschenkt: ein paar bunte Sitzkissen für die Holzstühle brachten Farbe und Gemütlichkeit, eine neue Lampe half, ihre Wohnung in neues Licht zu tauchen, eine dekorative Wolldecke verströmte Wärme.

Allmählich fanden die Sachen ihren richtigen Platz und das Gefühl der Leere verschwand. Nur die große freie Wandfläche oberhalb der Anrichte, in der ihr Geschirr stand, irritierte sie zunehmend. Irgendetwas fehlte hier noch.


Dann verfestigte sich der Gedanke dort einige Bilder aufhängen zu wollen aber nicht Irgendwas sondern etwas Persönliches. Bilder, die ihr wichtig wären und etwas über sie aussagen würden. Plötzlich dachte sie wieder an die vielen Bilder und Videos, die noch immer auf ihrem Computer schlummerten. Sie holte ihr Laptop heraus und begann das Material zu sichten. Es dauerte mehrere Stunden bis sie 3 Motive ausgesucht, bearbeitet und über einen Druckservice im Internet bestellt hatte. Die Wandfläche war etwa 1,2 Meter hoch und über 2 Meter breit. Die 3 großformatigen Bilder, gedruckt auf feiner Leinwand, würden sie gut füllen.

Am nächsten Tag machte sie sich daran, die Wandfläche mit einer rohen Holzverkleidung zu versehen, die den Bildern als Hintergrund und Rahmen dienen sollte. Sie strich das Holz in einem matten Grau, das einerseits einen Kontrast zur weißen Wand bot, andererseits aber auch die Bilder hervorheben würde. Dann wartete sie auf die Lieferung.

Es dauerte fast eine Woche aber schließlich stand das Paket vor ihrer Haustür als sie von der Arbeit kam. Schnell packte sie es aus und war überwältigt von der Farbigkeit und Wärme der Drucke. Sie stellte die Bilder auf die Anrichte und tauschte sie mehrfach aus, bis sie die richtige Reihenfolge ermittelt hatte.

Ganz links sollte das Bild hängen, dass sie zeigt, wie sie ganz in Rot gekleidet auf dem Wasser treibt, die Sonnenbrille auf der Nase und ein breites Lächeln im Gesicht. Der rote Stoff leuchtete und glänzte nass und das dunkle Wasser bildete eine schönen Kontrast.

Ganz nach rechts kam das Bild, das sie vor einer dunklen Basaltsteinwand zeigte, an der sie gerade emporkletterte. Die Tropfen, die aus ihrer braunen Lederhose und ihrer schwarze Leggins fielen, reflektierten das Sonnenlicht, Ihr gelbes Tanktop war komplett durchsichtig und gab den Blick auf ihren schwarzen BH frei. Der grüne Farn, genau neben ihr, sorgte für den entscheidenden Farbtupfer.

In die Mitte kam das Bild, das sie im Fluss treibend in Seitenansicht zeigte, der Hintergrund unscharf und dunkel. Ihr helles Gesicht und ihre blonden Haare spiegeln sich in der Wasseroberfläche, ihre Augen, von der Sonnenbrille verborgen, blickten in den blauen Himmel, wobei das nasse, schwarze Shirt an ihrer Brust klebt und glänzt wie flüssiges Latex. Während die ersten beiden Bilder Ganzkörperaufnahmen waren, zeigte das dritte Bild lediglich ihren Kopf und ihren Oberkörper bis knapp unterhalb ihres Busens in allen Details.

Als die Bilder schließlich an der Wand hingen verspürte Julia eine tiefe Befriedigung.

Gleichzeitig war sie aber auch etwas nervös, wenn sie daran dachte, dass diese Bilder nun Jeder sehen würde, der ihre Wohnung betrat. Nun ja, so viele Menschen waren das bisher nicht gewesen.


Ein paar Tage später hatte Julia die Gelegenheit ergriffen und ihrem Chef mehr als 10 Kubikmeter Holzreste aus der Zimmerei für kleines Geld abgekauft, die sie über Winter in ihrem Kachelofen verheizen wollte. Für den Transport durfte sie sogar den LKW und den Anhänger der Firma nutzen. Leider durfte sie dieses Auto nicht mit ihrem Führerschein fahren aber Maria bot an, ihr dabei zu helfen. Nach Feierabend luden sie das Holz mit dem Gabelstapler auf und Maria fuhr den LKW zu Julias Wohnung. Julia folgte mit ihrem Fahrrad.

Gemeinsam schafften sie das Holz unter das weit auskragende Vordach um sich anschließend eine Erfrischung auf Julias Terrasse zu gönnen. Maria verschwand erstmal im Bad, während Julia in der Küche frischen Kaffee zubereitete. Auf dem Rückweg durch die Wohnküche bemerkte Maria die Bilder und studierte sie eingehend. Julia beobachtete sie dabei und merkte, wie ihr Herz zu rasen begann. Was würde die Kollegin wohl zu den Bildern sagen? Immerhin war sie die erste Person, die sie zu sehen bekam. Wie würde sie reagieren?


„Schöne Bilder hast du hier an der Wand hängen“, begann Maria. „Das sieht nach mächtig viel Spaß aus, hab ich recht?“

Julia atmete erleichtert aus. Das war schon mal keine negative Reaktion.

„Ja, du hast Recht, die Bilder sind in meinem letzten Urlaub entstanden, als ich mit dem Rad durch Deutschland gefahren bin. Die hat ein guter Freund gemacht, ein Kollege meiner Mutter, bei dem ich 2 Tage verbracht habe“.

Als sich Maria nun umdrehte konnte sie sich ein Grinsen nicht verkneifen. „So so, du bist also eine echte Wassernixe. 3 verschiedene Outfits in 3 verschiedenen Gewässern in nur 2 Tagen ...“.

Julia spürte, wie ihr gerade das Blut ins Gesicht schoss und sie nur noch wie versteinert dastehen konnte. Marias Grinsen hingegen wurde immer breiter: „Ach Julia, das braucht dir doch nicht peinlich zu sein. Die Bilder sind total schön, so persönlich und auch ein klein bisschen sexy“. Maria hatte inzwischen die Arme um Julia gelegt. „Ich glaube, da bin ich ein bisschen neidisch, sowas Schönes habe ich leider nicht an meiner Wand hängen“. Maria zeigte wieder auf die Bilderwand: „Das erklärt auch, warum du dich zu mir in den Regen gestellt hast, während Ralf und Thomas sich im Auto verkrochen haben. Du hast das genau so genossen wie ich, stimmt´s? Das ist das erste mal in den 5 Jahren, die ich dort arbeite, dass eine Kollegin sowas gemacht hat“.


Julia brauchte noch ein paar Sekunden um sich zu fassen und über Marias Worte nachzudenken. „Stimmt, da mit dir unter der Traufkante zu stehen während der Regen auf uns runterprasselt, das war schon etwas Besonderes. Das habe ich aber auch noch nie vorher gemacht.

Alles hat angefangen als ich auf der Tour diese andere Radlerin getroffen habe. Die hat mir erzählt, dass sie abends immer in den Klamotten duscht, die sie den Tag über getragen hat. Eine Kleiderwäsche am Körper, sozusagen. Das habe ich dann auch probiert, einfach weil es sich so praktisch angehört hat. Es hat sich aber auch gut angefühlt und so habe ich das während der ganzen Tour weiter gemacht. Die Sachen waren ja bis zum Morgen immer wieder trocken.

Später habe ich dann die Unterwasserbilder gesehen, die der Kollege meiner Mutter an der Wand hängen hatte. Da stand ich genauso davor, wie du. Sowas wollte ich auch haben und das Ergebnis siehst du jetzt hier“

Julia wollte jetzt aber auch die ganze Geschichte erzählen: „Wir sind dann sofort an einen See gefahren, und sind mit SUP-Boards rausgepaddelt. Da ist das Bild in Rot entstanden. Das sind nicht mal meine eigenen Klamotten, die hatte er mir geliehen, weil Rot so gut aussieht, unter Wasser oder auch nur im Wasser, so wie hier. Ich glaube, das Ergebnis gibt ihm Recht. Am nächsten Tag waren wir dann wandern, in einem Flusslauf entlang. Das war auch etwas ganz Neues für mich. Da ist das mittlere Bild entstanden. Später haben wir uns dann noch im tiefen Schlamm gewälzt, aber ich habe mich nicht getraut, so ein Bild hier aufzuhängen. Ich frage mich gerade, wie du darauf wohl reagiert hättest.

Am letzten Tag waren wir dann noch an diesem Steinbruch. Da war es so warm, dass ich sogar vergessen hatte meine Handschuhe auszuziehen, so schnell wollte ich ins Wasser. Anschließend sind wir Beide so nass weitergeradelt, er nach Hause, ich weiter zu den nächsten Freunden“.

„Das hört sich echt spannend an. Danke, dass du das mit mir teilst“.


Draußen auf der Terrasse, Julia hatte inzwischen ihr Laptop geholt, sahen sie sich dann bei Kaffee und Keksen weitere Bilder und auch Videos an, auch die aus dem Schlammloch.


Irgendwann fragte Maria dann: „Hättest du Lust, mit mir zusammen am Badewannenrennen teilzunehmen? In 2 Wochen findet hier im Freibad das alljährliche Abbaden statt und ein Highlight ist dann immer das Badewannenrennen. Die Firmen oder Vereine hier im Ort nominieren Zweierteams, die dann gegeneinander antreten. Die Wannen sind abgedichtet, schwimmen also. Immer zwei Leute setzen sich da rein und paddeln der Länge nach durch das Schwimmbecken. Am Ende hat das schnellste Team gewonnen. In den letzten Jahren hatte unsere Firma da immer teilgenommen aber dieses Jahr war kein Kollege mehr bereit mit mir zu paddeln. Zuletzt sind wir immer gekentert, aber das lag ganz sicher nicht an mir“. Da war es wieder, dies schelmische Grinsen in Marias Gesicht.

„Ja klar, das hört sich doch lustig an“. Julia war gleich begeistert. „Aber warum wollen die Kollegen denn nicht mitmachen? Was ist denn schon dabei wenn man kentert? Am Ende zählt doch nur der Spaß, oder habe ich da irgendwas nicht richtig verstanden?“

„Damit das ein bisschen spaßiger wird, paddeln Alle in ihrer berufsspezifischen Kleidung. Die Leute aus der Bank im Anzug, die vom Supermarkt in ihrer Verkaufskleidung, die vom Schützenverein eben in ihrer Schützenuniform und wir halt in unseren Zimmermannssachen, Schuhe, Hose, Hemd, Weste , Hut, das ganze Programm. Da haben die Kollegen scheinbar keine Lust baden zu gehen. Mir macht das Nichts aus, ich finde das sogar spaßig und du scheinst da ja auch keine Berührungsängste zu haben“.

„Mit Klamotten baden zu gehen macht mir nichts aus, das hast du ja bereits gesehen. Ich denke, das wird eine riesen Gaudi, da bin ich dabei. Wie geht das denn jetzt mit der Anmeldung? Machst du das? Oder muss ich da irgendwas tun?“

„Nöö“, sinnierte Maria, „ich mach das schon. Und dann spreche ich auch gleich noch mit dem Chef. Der sponsert das Ganze ja und dann kann er uns Beiden gleich mal neue Klamotten bestellen, damit wir ordentlich Werbung für ihn machen können“.

Genüsslich tranken die Beiden jetzt ihren Kaffee aus und als sich Maria verabschiedete , um den LKW zurück zu bringen, meinte sie noch: „So ein Bild vom Schlammbad könntest du dir doch ins Schafzimmer hängen. Da ist es etwas privater als im Wohnraum und wer es bis dahin geschafft hat, der darf dich doch auch so sehen, oder?

Als der LKW vom Hof fuhr ging Julia im Geiste schon die Bilder durch, die dafür in Frage kommen würden.

Auf jeden Fall hatte sich ihre Bilderwand schon jetzt gelohnt. Zwischen Maria und ihr hatte sich heute so etwas wie eine Freundschaft entwickelt, ein Erkennen vertrauter Seelen. Sie war gespannt, wohin sie das noch führen würde.

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