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8. Die Wanne

Lesezeit: 8 Minuten

Der folgende Tag verlief weitgehend ereignislos. Julia arbeitete in der Werkstatt und bereitete ein paar Einbauten vor. Kurz vor Feierabend stürmte Maria herein und vermeldete stolz:

„Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Der Chef hat gerade die Anmeldung für uns beide rausgeschickt. Wir sind beim Badewannenrennen dabei. Unsere Übungswanne vom letzten Jahr liegt wohl noch auf dem Speicher. Die können wir gleich mal runterholen und schauen, ob sie noch schwimmt, komm mit!“ Julia war zunächst etwas sprachlos, folgte dann aber und so dauerte es nur wenige Minuten, bis eine weiße Acrylwanne im Hof der Werkstatt lag.

Mit einem mobilen Hochdruckreiniger spritzte Julia den Staub weg, der sich in den vergangenen 12 Monaten angesammelt hatte. Damit das Wasser gleich ablaufen konnte, hatte sie die Wanne auf die Seite gelegt. Natürlich spritzte das Wasser dabei nicht nur auf die Wanne sondern wurde von Selbiger auch wieder zurück geworfen. Julia stand jedenfalls in einer riesigen Sprühnebelwolke, ihr T-Shirt klebte bereits an ihr und ihre Hose war auf der Vorderseite schon ganz dunkel geworden als Maria den Transporter rückwärts in den Hof rangierte.

„Letztes Jahr sind wir erst beim Kentern nass geworden. Du schaffst das jetzt schon, bevor wir auch nur in die Nähe des Wassers kommen“, spottete Maria. Erst jetzt fiel Julia auf, wie nass sie bereits geworden war. „Ein Bisschen früher oder ein Bisschen später, darauf kommt es jetzt auch nicht mehr an. Nur das Ergebnis zählt“, erwiderte sie, richtete den Strahl des Hochdruckreinigers direkt auf Maria und betätigte den Abzug. Da Maria noch 5 Meter entfernt stand, war der Strahl schon weitgehend zerstäubt und aufgefächert als er bei ihr ankam. Die Wassermenge war jedoch so beachtlich, dass Marias T-Shirt sofort klatschnass war. Sie drehte sich um, wollte fliehen, aber da stand der Transporter im Weg und so traf der Strahl nun auch ihre Rückseite. Sie war komplett nass, bevor sie sich außer Reichweite bringen konnte. Die Kollegen, die gerade auf dem Weg in den Feierabend vorbei kamen, johlten laut und applaudierten, liefen aber schnell weiter um nicht auch noch in diese Wasserschlacht hineingezogen zu werden.

Julia wendete ihre Aufmerksamkeit nun wieder der Wanne zu und so bekam sie nicht mit, dass Maria sich mit einem Eimer von hinten anschlich. Inzwischen kniete sie sogar in der großen Pfütze und sprühte in die Wanne hinein. Alles was herausspritzte traf die also direkt aber ihre Vorderseite war ja ohnehin schon total nass. Sie war so in ihre Arbeit vertieft, dass sie zuerst gar nicht bemerkte, dass Maria den Eimer genüsslich über ihrem Rücken entleerte und als sie es dann bemerkte blieb sie regungslos hocken. Sie genoss es, das Wasser über ihren Rücken herunterlaufen zu spüren, in ihre schwere Arbeitshose hinein, durch ihre Unterhose und unten wieder hinaus. Erst als kein Tropfen mehr aus dem Eimer kam stand Julia auf, drehte sich um und nahm Maria erneut mit dem Hochdruckreiniger ins Visier. Maria breitete die Arme aus, ergab sich dem Unvermeidlichen. Sie drehte sich langsam im Kreis und erst, als sie ganz sicher keinen trockenen Faden mehr am Leib hatte, ließ Julia von ihr ab.

Lachend fielen sich die beiden Frauen um den Hals. „So können wir gerne öfter in den Feierabend starten“, flüsterte Julia leise, aber es war sowieso schon Niemand mehr da, der sie hätte hören können.

„Nachdem wir jetzt schon nass sind, können wir auch gleich eine Probefahrt mit der Wanne machen“, schlug Maria vor. „Dafür hatte ich den Transporter ja ursprünglich geholt“.

Im Nu war die Wanne aufgeladen und so tropfnass wie sie waren, fuhren sie die 3 Kilometer bis an das Wehr, wo der Bach für die Wassermühle aufgestaut wurde und somit eine ruhige Wasserfläche bot. Glücklicherweise verfügten die Sitze über einen dicken Kunstlederbezug und würden wohl keinen Schaden nehmen.

Ein alter Steg, der normalerweise von Anglern benutzt wurde, eignete sich gut um das Wasserfahrzeug einzusetzen. So schnell, wie sie die Wanne nun auf dem Wasser hatten, so schnell rächten sich ihre Fehler. Sie waren nacheinander eingestiegen, Julia hockte vorne, Maria würde dahinter Platz finden. Maria hatte schon einen Fuß in der Wanne und stieß sich mit dem anderen von Ufer ab. Das Gefährt schwankte ordentlich und einige Liter Wasser schwappten über den Rand. Rasch trieb wie Wanne vom Steg weg. Erst dann bemerkten sie, dass sie gar keine Paddel dabei hatten. Die lagen noch auf der Ladefläche des Transporters.

Lachend über ihre Schusseligkeit fragten sie sich, wie sie denn nun zum Ufer zurück kommen sollten und begannen schließlich mit den Händen zu paddeln. Dafür mussten sie ihr Gewicht verlagern, die Wanne neigte sich und plötzlich strömte weiteres Wasser hinein. Die ohnehin geringe Stabilität war dahin und das Gefährt kippte unaufhaltsam um. Jetzt ging alles ganz schnell und die beiden Frauen wurden direkt in den Bach beförderte. Prustend tauchten sie wieder auf und brachen in schallendes Gelächter aus.

Nach 2 Stunden und vielen weiteren Fehlversuchen, die immer mit zwei vollständig bekleideten Frauen im Wasser endeten, hatte sie es geschafft eine 50 Meter lange Strecke zu paddeln, zu wenden und wieder zurück zu paddeln, ohne dabei unterzugehen. Hoch zufrieden trugen sie die Wanne zurück zum Auto.

„Ich glaube, bis zum Rennen brauchen wir noch ein paar Trainingseinheiten“, meinte Julia schließlich etwas nachdenklich.

„Von mir aus gerne“ Maria grinste bereits bei der Vorstellung. „Hast du Morgen schon etwas vor? Gleich nach der Arbeit?“

„Bisher hatte ich nichts vor, aber jetzt! Morgen passt gut. Übermorgen und Über-Übermorgen hätte ich auch noch Zeit. Eigentlich habe ich immer Zeit oder nehme sie mir hierfür. Nur am Wochenende fahre ich nach Hause aber ansonsten können wir gerne jeden Tag hier trainieren“, jubelte Julia.

„Abgemacht“ stimmte Maria freudig zu. „Dann aber auch in voller Wettkampfmontur, mit Hemd, Weste und Hut, nicht so halbnackt wie heute“.

Etwas überrascht schaute Julia Maria an. Halbnackt hatte sie sich immer anders vorgestellt, immerhin trugen sie beide immer noch ihre Arbeitsschuhe Cargohosen und T-Shirts.

Dann streckte sie ihre Hand aus.

„Abgemacht, in voller Wettkampfmontur“ freute sich Julia und als Maria einschlug fügte sie hinzu: „Aber heute können wir nochmal halbnackt baden gehen. Los, komm mit!“ Und schon stürzten sich die beiden erneut ins Wasser.


Später, nachdem sie den Transporter zurück gebracht hatten, saßen die Beiden nochmal zusammen in Julias kleinem Garten. Julia hatte etwas zu Essen auf den Tisch gestellt und eine Flasche Rotwein geöffnet, während sie über das weitere Training sprachen.

Da Julia erst so kurz in der Firma arbeitete, hatte sie bisher nur 2 Satz Arbeitskleidung und nur 1 Paar Schuhe bekommen. Weiteres war bestellt aber noch nicht geliefert worden. Hosen und T-Shirts würden schnell trocknen. Ihr weißes Hemd und die schwarze Arbeitsweste würde sie, solange es so warm war, nicht dringend für die Arbeit brauchen. Aber ihre Schuhe würden bei dem verabredeten Trainingsplan nicht mehr trocken werden.

Egal, dachte sie sich, dann laufe ich die nächsten 2 Wochen eben in nassen Schuhen herum. Eigentlich freute sie sich sogar darauf.